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Gedanken
sprung

Erwartungsvoll und mit nervösen Blicken zum Haupteingang stehe ich vor dem Gebäude und wechsle ein paar Worte mit meinen Kollegen. Geschwätz, das wie ein hübscher Blumenstrauss einen gepflegten und zugleich befremdlichen Eindruck hinterlässt. Eine halbe Zigarette lang tauschen wir weitere Worte aus, bis schliesslich einer von uns alle zum Aufbruch bewegt.
 
Während ich am Bahnsteig stehe und auf meinen Zug warte, denke ich noch immer an sie. Ich kenne sie kaum und habe doch das Gefühl, sie schon gut zu kennen. Mir fällt dieser Roman ein, den sie mir vor ein paar Stunden zugeschickt hat. Als ich mich im Zug hinsetze und den Roman öffne, schweifen meine Gedanken bereits nach den ersten Zeilen ab und folgen einer ganz eigenen Stimmung.
 
Auf einmal sehe ich mein siebenjähriges Ich wieder vor mir, wie ich mich gerade auf den Weg in den Garten unseres Wohnblocks mache. Einmal um den Wohnblock gelaufen, öffnet sich ein weiter Rasen, der über einen kleinen Hang ins nächste Wohnviertel übergeht und schliesslich an dichten Buschhecken endet. Am oberen Hang stehen zwei Schaukeln, ein alter und längst vergessener Sandkasten und eine etwas vom Rost angefressene Rutsche. 

Auf einer der Schaukeln sitzt ein fremdes Mädchen und schaukelt still vor sich hin. Neugierig laufe ich auf sie zu und frage nach ihrem Namen, doch das Mädchen starrt weiterhin still auf den Boden. Also nehme ich auf der freien Schaukel Platz und versuche weiter mit ihr zu reden. Da merke ich, dass sie kein Wort von dem versteht, was ich sage. Also beginne ich, mich nur noch mit Händen und Füssen verständlich zu machen. Langsam hebt sie ihren Kopf und schaut mich eine Weile an. Ein Lächeln breitet sich dabei auf ihrem Gesicht aus, und auch ich beginne zu lächeln — bis wir beide schliesslich in heiteres Gelächter ausbrechen.
 
Die Erinnerung an den Garten verblasst, und eine Neue tritt an ihre Stelle. Diesmal bin ich 19 und befinde mich mitten in der valenzianischen Altstadt. Es ist spätabends an einem gewöhnlichen Wochentag, und der Platz liegt in sanftem gelbem Licht. An einem kleinen Bistrotisch sitzt mir eine Schulfreundin gegenüber, die ich erst am Abend zuvor kennengelernt habe. Sie fragt mich etwas über einen Jungen, woraufhin ich die Augen weit aufreisse und sie mit verzerrtem Gesicht ansehe — und im selben Moment brechen wir auch hier in schallendes Gelächter aus.

Ehe ich mich versehe, verliere ich mich in vielen weiteren Begegnungen, die wie ein flimmernder Film vor meinem inneren Auge ablaufen.
 
So lebendig, als wären sie gerade erst geschehen. Und doch so vertraut, als hätte ich sie schon einmal erlebt.

Vergangenes, das uns ein Leben lang erinnern lässt und somit nie vergangen ist.
 
Ganz der eigenen Stimmung nachgehend.

July 4, 2022, gianna laganà

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